Album der Woche Ann Doka zwischen roten Linien und Selbstvergewisserung
Stand: 4. Juni 2026.
Ann Doka ist dort angekommen, wo sie immer hinwollte. Mit ihrem neuen Album "Red Lines" steckt sie ihren künstlerischen Freiraum ab.
So klingt Ann Dokas "Red Lines"
Ann Doka und Martin Olding: Arid Land - unplugged
Als "Nashville bound und Bremen based" bezeichnet die sympathische Sängerin sich kurz und bündig im Gespräch mit Bremen Eins. Auf ihrem am 24. April erschienenen 4. Studioalbum "Red Lines" zeigt Ann Doka allerdings weitere Facetten ihrer Musik. Mit ihrem im April 2022 veröffentlichten Vorgängeralbum "House Of Change" durchlief sie noch einen Prozess der Veränderung, war gewissermaßen auf der Suche nach sich selbst und ihrer Musik. Jetzt ist Ann Doka angekommen.
Ann Doka im Gespräch mit Bremen Eins zum Album "Red Lines"
Mehr Kanten und Härte zugelassen
Genau deshalb sei ihr neues Album auch ein bisschen anders geraten, betont die Sängerin. Die in ihr schlummernde Härte lässt Ann Doka jetzt mehr von der Leine als zuvor und baut rockige Sounds ebenso wie dunkle Tönungen in ihre Songs ein. Ihrem mittlerweile von Nashville nach San Francisco umgezogenen Produzenten Jonathann Rice hat sie die Vorgabe gemacht, ein paar mehr Kanten in ihrer Musik zuzulassen. Diese Kanten korrespondieren ihrer Empfindung nach mit dem Albumthema der roten Linien. Spürbar wird Ann Dokas beherzt zupackender Sound bereits im Albumaufmacher "Arid Land" mit seinem knallharten Gitarrenriff. Auch in "Hunter’s Moon" und "Where The Cold Winds Blow" wühlen raue Gitarren, wummert knackig der Bass und geben die Drums deftige Impulse.
Das ist jetzt nicht mehr so feingespülter Pop, sondern es hat eine Meinung. Und die zeigt man sowohl in den Texten als auch in der Musik.
Ann Doka
Eine klassische Country-Musikerin sei sie nie gewesen, stellt Ann Doka gegenüber Bremen Eins klar. Ihre Musik sei als Mischung aus Country, Pop und Singer-Songwriter mit einem kräftigen Schuss Nashville dahergekommen. Das habe sich in den letzten Jahren aber verändert, denn schließlich lebe auch ihr Produzent nicht mehr in Nashville und damit habe sich auch die Farbgebung ihrer Musik ein bisschen gewandelt. Erklärtes Ziel Ann Dokas ist, dass sie mit ihrem aktuellen Album als "grown artist", wie sie es ausdrückt, empfunden wird. Klare Kante und selbstbewusstes Standing anstelle von weichgespültem Pop, lautet ihre persönliche Musikformel.
Mit den Löwen tanzen, anstatt mit ihnen zu kämpfen
Zu wissen, was man möchte und was man nicht möchte, rote Linien zu ziehen, um das eigene Selbst zu schützen, das sind die Themen, die Ann Doka als gereifte Songwriterin beschäftigen. Gleichzeitig sind diese Themenbereiche Ausdruck der Selbstvergewisserung und künstlerischen Selbstbewusstseins. Es geht Ann Doka ganz klar um Werte – und um Selbsterkenntnis. Etwa um die, dass es besonders als Frau besser sein kann, mit den Löwen zu tanzen, anstatt mit ihnen zu kämpfen. Erkenne deine eigenen Stärken und setze sie klug ein, lautet die Botschaft ihrer Singleauskopplung "Dancing With Lions". Vorgetragen mit einer Kraft, die zeigt: Ann Doka steht genau dort, wo sie stehen will.
Ann Doka hat eine klare Botschaft
Ann Doka schreibt Songs über Menschen. Sie beobachtet Menschen und merkt dabei, dass zunehmend auch Politisches in ihre Songs Einzug hält. Zwar findet die geradlinige Songwriterin es problematisch, nur über Politik zu schreiben, allerdings ist es ihr unmöglich vor dem Elend und den Kriegen dieser Welt die Augen zu verschließen. Sie sei mutiger geworden ganz klar ihre Meinung zu vertreten, betont Ann Doka. Deswegen nimmt sie gerade auch im Hinblick auf die USA, denen sie sich doch zutiefst verbunden fühlt, kein Blatt mehr vor den Mund. In ihrem Song "Under Covers" geht es um die Ernüchterung, welche einen angesichts der ständigen Flut an schlechten Nachrichten überkommt. Am liebsten möchte man sich doch unter einer Decke verkriechen und erst wieder zum Vorschein kommen, wenn alles Schlechte vorüber ist. „Haut nicht immer gleich alles raus, seid doch einfach ein bisschen diplomatischer!" Das ist die musikalische Botschaft Ann Dokas in diesen aufgewühlten Zeiten.
Überwiegend remote produziert
Für die Aufnahmen hat Ann Doka sich online mit ihrem Produzenten Jonathan Rice verbunden, war also digital bei den Sessions im Studio zugeschaltet. Auch beim Songwriting ist die Bremer Musikerin mit dem Nashville-Herzen neue Wege gegangen. Als Texterin hat sie sich nämlich Jennifer Majer, eine langjährige Freundin aus ihrer alten Heimat in Hessen, mit ins Boot geholt. Jennifer hegte schon lange den Wunsch, einmal einen Song zusammen mit Ann Doka zu schreiben. Jetzt ist ein ganzes Album daraus geworden. Denn die beiden konnten sich ihre Ideen, basierend auf ihrer schon so lange bestehenden Freundschaft und den vielen Situationen, die sie durchlebt haben, gegenseitig nur so zuwerfen. Ein unglaublich spannender Co-Write, ein regelrechter Schlagabtausch an Ideen sei das gewesen, erinnert Ann Doka sich.
Jeder Song ist eine rote Linie
"Red Lines" ist ein Album mit einer durchgehenden Story, die eng mit der persönlichen Entwicklung Ann Dokas verwoben ist. Der Blick der Songwriterin auf sich selbst ist dankenswerterweise keine Nabelschau, sondern nimmt immer die Relevanz für andere in den Fokus. Wenn es gut läuft, kann sie andere mit ihrer Musik zum Nachdenken über sich selbst und das eigene Verhalten anregen: Ist das, was man tut, gut für alle und nicht ausschließlich für einen persönlich? Diese Frage möchte Ann Doka sich und ihrem Publikum stellen. Jeder ihrer aktuellen Songs ist eine der roten Linien, welche die Sängerin im Alltag bei anderen, aber auch bei sich selbst beobachten konnte. Doch damit ihr Album "Red Lines" nicht in den finsteren Untiefen von Weltschmerz und Überforderung versinkt, schließt sie es mit der flirrenden Kurznotiz "New Land" mit Sounds aus dem Opening Track "Arid Land" ab. Der Kreis schließt sich und am Ende öffnet sich die Tür zu etwas Neuem, das man - ausgestattet mit einer gehörigen Portion Lebenserfahrung - voller Optimismus für sich entdecken kann. Man fängt immer wieder von einem neuen Startpunkt an, ist Ann Doka überzeugt. Und ihr neues Album "Red Lines" kann für alle mit offenen Ohren solch ein Startpunkt sein.
Ann Doka ”Red Lines”
NASH*DASH Records
EAN: 9705197693509
VÖ: 24. April 2026
Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 8. Juni 2026, 14:40 Uhr