Die größten Alben aller Zeiten Nena: Das Debüt, das eine Generation prägte

Autorinnen und Autoren

Sie war das Gesicht der Neuen Deutschen Welle: Nena – einer der größten deutschen Popstars der 80er. Anja Kwijas und Bernd Schleßelmann über Nenas Karrierestart.

Albumcover "Nena"
Bild: Bmg Rights Management (Warner)

Darum ist das Debüt von Nena für Bremen Eins-Moderatorin Anja Kwijas eines der größten Alben aller Zeiten

"Immer wieder sage ich: "Nie wieder". Und dann mach ich's noch einmal!
Und wenn es hundertmal nichts war: Ich mach' es noch einmal!
Und es tut immer wieder gut. Und es tut immer wieder weh."
Nena - "Noch einmal"

Eine Jugend auf dem Land ist langsam und langweilig. Um Mitternacht im Kino sitzen? Geht nicht, weil es gar kein Kino gibt. In einer "Satellitenstadt" zwischen Hochhäusern und Park flanieren? Nein, noch nicht einmal im Neubaugebiet. Und ein "Tanz auf dem Vulkan" drohte höchstens, wenn man mal wieder den morgendlichen Schulbus verpasst hatte.

In Grasberg bei Worpswede gab es 1983 die Pommes rot-weiß beim Imbiss Burmester, die Brötchen beim Bäcker Blanke und die Schallplatten bei Elektro Eggers. Wer als Jugendlicher etwas erleben wollte, fuhr mit der Buslinie 30 von Lilienthal-Falkenberg in 45 Minuten in die Bremer Innenstadt. Oder verbrachte einmal im Monat den Abend im Schützenhof mit der rollenden "Vario-Disko".
Als ein paar Monate zuvor das erste Mal "Nena" im Musikladen von Radio Bremen auftauchte, wurde uns Kindern das beschauliche Örtchen bereits zu klein: "Nur geträumt" katapultierte uns direkt in ein Paralleluniversum, in dem auch wir einen roten Lederminirock, Frottee-Stirn- und -Schweißbänder, oder schwarz-weiß gestreifte Jeans tragen wollten.

Anja Kwijas US-Single "99 Balloons" von der Großtante aus den USA
Eine Original-Pressung von "99 Red Balloons" aus den USA bekam Anja von ihrer Großtante aus den USA geschickt und hält sie heute noch in Ehren. Bild: Radio Bremen | Tammo Jans

Gabriele Susanne Kerner aus Hagen hatte uns den Kopf verdreht. Mit ihrer quirligen und unkonventionellen Art. An ihrer Seite ihre Band: Carlo Karges, Uwe Fahrenkrog-Petersen, Jürgen Dehmel und Rolf Brendel. Mein Jugendzimmer war mit Postern und Starschnitten tapeziert.
Natürlich musste dann im Januar 1983 die Debüt-Platte gekauft werden: Nena – Die Band! Einen eigenen Plattenspieler hatte ich noch nicht, ich durfte im Zimmer meiner Schwester hören, im Wohnzimmer meiner Eltern, oder bei meiner Nachbarin Kirsten. Und so konnte ich weiter träumen: Von Leuchttürmen, von leeren Hotelzimmern in der Nacht, von Piraten, vom Vollmond und natürlich von 99 Luftballons am Abendhimmel.

Anja Kwijas Ritsch-Ratsch-Klick-Foto vom Nena-Konzert
Anja Kwijas Ritsch-Ratsch-Klick-Foto vom Nena-Konzert Bild: Radio Bremen | Anja Kwijas

Im Sommer 1983 schrieben Kirsten und ich an die Nena-Autogrammadresse, die wir in der "Bravo" gefunden hatten. Wir baten explizit um ein Foto des Schlagzeugers Rolf Brendel. Was waren wir verliebt! Und tatsächlich: Eines Tages erreichte uns eine bunte Postkarte von ihm aus dem Urlaub. Hammer! Damit hatten wir niemals gerechnet. Der Austausch dauerte über ein paar Monate. Dann war Schluss, schade. Erste gebrochene Herzen! Leider sind Briefe und Karten in den vergangenen Jahrzehnten im Chaos diverser Umzüge verschütt gegangen.
Was aber noch da ist: Ein Foto vom ersten Nena-Konzert in der Bremer Stadthalle am 29. März 1983. Schön unscharf, wie es damals üblich war, denn unsere kleinen Ritsch-Ratsch-Fotoapparate waren qualitativ überhaupt nicht in der Lage, gute Bilder in schummrigem Licht zu produzieren. Uns war es egal! Das Meer an Armen mit Schweißbändern ist dafür gut zu erkennen.
Was auch noch da ist: Eine Original-Pressung von "99 Red Balloons" aus den USA. Von unserer Großtante geschickt und in Ehren gehalten.
Und was natürlich auch noch da ist: Das Debüt-Album – mein Soundtrack zum Erwachsenwerden. Mit Texten, die ich mehr als nur "verstanden" habe. Die ich heute noch spontan mitsingen könnte, selbst morgens um fünf Uhr, wenn Ihr möchtet. Fragt mich gerne!

Gut zu wissen

Nena, 1984
Bild: Imago | Frinke

"Komm nach Hagen, werde Popstar. Mach dein Glück", sang die NDW-Band Extrabreit in einem ihrer Songs. Und tatsächlich – Hagen war in den 80er Jahren eine Art Popmetropole und brachte einige Stars hervor. Extrabreit, die ursprünglich aus der Punk-Bewegung kamen, gehörten dazu. Ihr größter Hit: "Hurra, hurra, die Schule brennt". Auch Nena startete ihre Karriere in der nordrhein-westfälischen Provinzstadt. 1979 veröffentlichte sie mit ihrer Band The Stripes die erste Single "Ecstasy". Trotz Fernsehauftritten in der WDR-Plattenküche und in Ilja Richters "Disco" im ZDF blieb der Erfolg aus. Und dann sind da noch die beiden Schwestern Annette und Inga Humpe. "Das Tor zum Sauerland", wie Hagen oft genannt wird, ist auch ihre Heimat. Der Name Humpe wurde zum Gütesiegel der Neuen Deutschen Welle. Mit Bands wie Ideal und den Neonbabies. Und mit "Codo", dem Hit im Sauseschritt.

Audio
Albumcover "Nena"

Die größten Alben aller Zeiten: Nena (Debüt)

Sie war das Gesicht der Neuen Deutschen Welle: Nena – einer der größten deutschen Popstars der 80er. Bernd Schleßelmann über Nenas Karrierestart.

Bild: Bmg Rights Management (Warner)
Audio-Ende

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins: Der Vormittag, 12. März 2026, 11:40 Uhr

Bremen Eins Livestream & aktuelle Sendung.

Die ARD Hitnacht

Die ARD Hitnacht
Die ARD Hitnacht
  • Die ARD Hitnacht